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05.06.2013

Krankenhaus Neuwittelsbach feierte 40-jähriges Bestehen

Seit Anfang an "Medizin mit Seele" - Kardinal Marx sprach sich deutlich gegen Aufgabe kirchlicher Krankenhäuser aus


Einige der Festgäste (v.l.): Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Michael Weis, Seine Königliche Hoheit Herzog Franz von Bayern (Schirmherr), Oberin Schwester M. Adelinde Schwaiberger, Reinhard Kardinal Marx, Generaloberin Schwester M. Theodolinde Mehltretter, Michael Höhenberger (Ministerialdirektor für den Bereich Gesundheit im Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit) und Verwaltungsdirektor Mathias Rauwolf

München. Mit einem Dankgottesdienst in der benachbarten Herz-Jesu-Kirche und einem Festakt im Krankenhaus Neuwittelsbach feierte das Ordenskrankenhaus am Dienstag, 4. Juni 2013, sein 40-jähriges Bestehen. Ein ausführlicher Bericht zum Jubiläum folgt. Vorab eine Zusammenfassung der bemerkenswerten Predigt von Reinhard Kardinal Marx, der den Festgottesdienst zelebrierte.

Der Erzbischof von München und Freising lehnte in seiner Festpredigt einen Rückzug der katholischen Kirche aus dem Krankenhaussektor ab. Entsprechenden aktuellen Forderungen, die auch mit der Personalsituation begründet worden waren, erteilte Kardinal Marx eine klare Absage. „Manche fordern den Rückzug aus vielen Institutionen, einige möchten, dass wir Krankenhäuser aufgeben. Ich halte das für eine sehr kurzschlüssige Argumentation“, sagte Marx.

Die Kirche sei gerade heute gerufen, in die Evangelisierung neu einzutreten. Daher sei ein Rückzug aus der Fürsorge für die Kranken das „falsche Signal“, sagte der Kardinal: „Ich halte genauso wenig davon, Kirchen aufzugeben.“ Es gehe vielmehr darum, das vielfältige Wirken der Kirche „mit neuem Leben zu füllen“, Aufbruch und Profilierung seien vonnöten. Marx forderte eine Weiterentwicklung der kirchlichen Dienstgemeinschaft, des so genannten Dritten Wegs auf dem Arbeitssektor: „Wir dürfen den Dritten Weg nicht aufgeben oder einfach anpassen, sondern wir müssen uns fragen: Wie können wir das katholische Profil schärfen? Das bemisst sich nicht nur an der Anzahl der katholisch getauften Mitarbeiter!“

Der Münchner Erzbischof beklagte in seiner Predigt zudem, dass die vor allem seit den 1990er Jahren zu beobachtende „Durchökonomisierung“ des Gesundheitswesens zu einer Schieflage führe. „Es gibt die Versuchung, jeden Handschlag, jede Minute abzurechnen. Es ist ein Irrweg, das Leben mit einem Kostenfaktor zu versehen und zu fragen: Was kosten die zehn Minuten, die ich bei einem Sterbenden verbringe?“, kritisierte Marx: „Wir als Christen können so nicht im Krankenhaus tätig sein.“ Es gelte zwar, wirtschaftlich zu arbeiten, „aber nicht im Geiste der Ökonomie mit dem Profit im Mittelpunkt, sondern im Geist der Nächstenliebe“. Der Mensch sei nicht mit einer Fallpauschale abzuhandeln.

Kardinal Marx würdigte den großen Einsatz der Barmherzigen Schwestern und dankte ihnen dafür, dass sie sich auch mit der Gründung des Krankenhauses Neuwittelsbach dafür entschieden hätten, zu den Kranken zu gehen: „Ja, wir haben ein Zeugnis zu geben inmitten einer säkularen Welt, ein Zeichen der Caritas“, das sei der Geist der Schwestern gewesen, sagte Marx: „Eine Kirche, in der die Trostlosen, die Kranken nicht mehr zu Hause sind, könnte nicht mehr die Kirche Jesu Christi sein.“

An den Dankgottesdienst schloss sich ein Festakt im Krankenhaus Neuwittelsbach an. Generaloberin Schwester M. Theodolinde Mehltretter begrüßte dazu zahlreiche Gäste aus dem öffentlichen Leben und aus dem Gesundheitswesen. Besonders freute sie sich darüber, dass Seine Königliche Hoheit Herzog Franz von Bayern die Schirmherrschaft übernommen hatte. Als Oberhaupt des Hauses Wittelsbach war er damit der Repräsentant des Namensgebers; denn die früher auf dem Grundstück bestehende Kuranstalt Neuwittelsbach hatte – wie das ab 1880 südlich des Nymphenburger Kanals entstandene Viertel – ihren Namen in Erinnerung an das 700-jährige Jubiläum der Herrschaft des Hauses Wittelsbach erhalten.

„Hier im Haus spürt man einen guten Geist aus einer christlichen Tradition heraus,“ sagte Michael Höhenberger, Ministerialdirektor für den Bereich Gesundheit im Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit. Eine besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung für die Patienten werde hier groß geschrieben. Im Laufe von vier Jahrzehnten seien in Neuwittelsbach über 100.000 Patienten versorgt worden, über 4000 allein im vergangenen Jahr.

Interessante Erkenntnisse der Geschichtswerkstatt Neuhausen brachte Ingeborg Staudenmeyer, Vorsitzende des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg, mit. Die Barmherzigen Schwestern seien nicht erst seit 40 Jahren im Stadtteil, sagte sie. Ihren ersten Einsatzort hatten sie hier schon 1874 im St. Georgiritter Krankenhaus und im Altenheim am Dom-Pedro-Platz. Sie wusste auch zu berichten, dass die Mutter des emeritierten Papstes Benedikt XVI. in der Kuranstalt Neuwittelsbach als Süßspeisenköchin gearbeitet hatte.

Auch Siegfried Hasenbein, Vorsitzender der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, gratulierte zum Jubiläum. Die Klinik sei medizinisch gut aufgestellt und bestens mit anderen Häusern vernetzt. In einem System, das sich hauptsächlich an Kosten und Effizienz orientiere, fragten Patienten immer stärker nach Krankenhäusern, in denen ganz andere Werte hochgehalten werden.

Chefarzt Dr. Michael Weis, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses Neuwittelsbach, skizzierte die Geschichte der Klinik und ging auch auf die Gegenwart ein: „Patienten schätzen die ruhige und genesungsfördernde Atmosphäre,“ sagte er. Die Wege im Haus seien kurz: „Wir sind schlagkräftig und können schnell reagieren.“ Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitierten von der jahrhundertelangen Tradition der Barmherzigen Schwestern. Das Haus sei durch eine außergewöhnlich hohe Patientenzufriedenheit gekennzeichnet, „und wir haben Mitarbeiter, die sich mit dem Haus identifizieren und sich dafür einsetzen.“

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