Lungenfibrose - wenn die Lunge "knistert"

Chefarzt Prof. Dr. med. Hanno H. Leuchte

Schleichend zunehmende Kurzatmigkeit, trockener Husten und rasche Ermüdbarkeit sind klassische Symptome der Lungenfibrose. In fortgeschrittenen Fällen kommt es durch Sauerstoffmangel zudem zu einer Blauverfärbung der Lippen (Lippenzyanose) unter Belastung oder nach Hustenattacken. Den Angehörigen Erkrankter fällt eine schnelle Atmung auf. Diese ist aufgrund der eingeschränkten Dehnbarkeit der Lunge und der starken Beeinträchtigung der Sauerstoffübertrittes aus der Atemluft in das Blut nötig. Der untersuchende Arzt hört ein „Knistern“ über den Lungenfeldern.

Dabei ist Fibrose nicht gleich Fibrose. Vielmehr umfasst der Begriff die interstitielle Lungenerkrankung mit über 200 Differenzialdiagnosen. Dabei ist in manchen Fällen ein Auslöser identifizierbar. Verschiedene Infektionskrankheiten, meist gekennzeichnet durch relativ rasche Krankheitsverläufe, können sich als interstitielle Lungenerkrankung darstellen. Auch sind z. B. Patienten betroffen, die aufgrund einer Krebserkrankung eine Strahlen- und oder Chemotherapie erhielten. Bei anderen tritt die Fibrose im Rahmen einer bekannten Grunderkrankung auf, wie das klassisch beim Rheuma (z. B. „Rheumalunge“) der Fall ist. Auch Erkrankungen, die sich primär an der Haut manifestierten (z. B. Sklerodermie) können sich auf die Lunge niederschlagen und als Fibrose manifestieren.

Ein weiterer Auslöser für die Entwicklung einer Lungenfibrose ist z. B. eine umwelt- oder berufsbedingte Exposition. Hierzu gehören auch Auslöser aus dem landwirtschaftlichen Bereich. Dann bezeichnet man die Erkrankung (übersetzt aus dem Englischen) z. B. als Farmerlunge. Diese ist zunächst gekennzeichnet durch eine verzögert auftretende Allergie und geht in der Regel mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl einher.

Auch wiederkehrende Fieberschübe und Gelenkschmerzen passen in das klinische Bild dieser Erkrankung. Allerdings können solche Prozesse auch ausgelöst werden durch Allergien gegenüber Vögeln. Dabei ist der Begriff der Vogelhalterlunge etwas irreführend und nicht jeder Patient, der einen Wellensittich oder Papagei als Haustier hält, fühlt sich damit angesprochen. Diese gefiederten Freunde können aber tatsächlich die vorhin genannten Probleme hervorrufen!

Da in früheren Phasen der Erkrankung und durch die Erkennung von Auslösern durchaus Therapiemöglichkeiten - bis hin zu Heilung - bestehen, in fortgeschrittenen Fällen aber die Therapieoptionen sehr eingeschränkt sind, sollte eine Lungenfibrose immer von einem Fachmann abgeklärt werden.

 Chefarzt Prof. Dr. med. Hanno H. Leuchte
2. Medizinische Abteilung