Alkohol - gut oder schlecht fürs Herz?

Chefarzt Prof. Dr. med. Michael Weis

Entgegen der weitläufigen Meinung, Alkohol reduziere das Herzinfarkt-Risiko, erhöhen schon geringe Mengen Alkohol täglich den Blutdruck. Bei vielen Bluthochdruckpatienten ist Alkohol die wesentliche oder sogar einzige Ursache. Erhöhter Blutdruck ist wiederum Risikofaktor für Schlaganfälle. Außerdem erhöht Alkohol die Blutfette und führt wegen des hohen Kaloriengehaltes zu Übergewicht. Damit sind Herz-/Kreislauf-Komplikationen geradezu programmiert. Insbesondere Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern kommen unter vermehrtem Alkoholkonsum häufiger vor. Besonders schlecht sind regelmäßige Trinkgelage am Wochenende: diese verdoppeln im Vergleich zu gemäßigtem Alkoholkonsum das Risiko, einen tödlichen Herzinfarkt zu erleiden.

Also woher kommt dann die Meinung, Alkohol schütze das Herz? Zumindest für einen moderaten Genuss von Rotwein gibt es Hinweise auf eine die Gefäße schützende Wirkung.  Der Schutzstoff des Rotweines für die Blutgefäße liegt in der Schale der blauen Weintraube. Diese Schale enthält zahlreiche Flavonoide, insbesondere Resveratrol, ein Stoff welcher Zellen und Gefäße vor toxischen Sauerstoffradikalen und Entzündungen schützen kann.

Diesen Schutz kann man aber auch durch Essen von blauen Weintrauben und Trinken von unvergorenem rotem Traubensaft ohne die negativen Nebeneffekte des Alkohols (wie Bluthochdruck oder Gewichtszunahme) bekommen. Auch Himbeeren, Heidelbeeren, Pflaumen, Erdnüsse und dunkle Schokolade enthalten hohe Dosen an Flavonoiden.

Entsprechend lauten die derzeitigen Empfehlungen für Alkohol: Nicht mehr als ein alkoholisches Getränk pro Tag für Frauen und nicht mehr als zwei Getränke pro Tag für Männer (1 Getränk = 1 Glas und nicht 1 Getränk = 1 Maß). Sollten bereits Leber- oder Herzerkrankungen vorliegen, ist unbedingt eine genauere Absprache mit dem behandelnden Arzt notwendig.

Chefarzt Prof. Dr. med. Michael Weis
1. Medizinische Abteilung